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Dt. Ges. f. Handchirurgie Dt. Ges. fĂŒr Neurochirurgie Dt. Ges. f. Neurologie Dt. Ges. fĂŒr OrthopĂ€die und OrthopĂ€dische Chirurgieunter Beteiligung der Dt. Ges. fĂŒr Unfallchirurgie, Dt. Ges. f. Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung, Dt. Ges. f. Plastische, Rekonstruktive und Ăsthetische Chirurgie
| AWMF-Leitlinien-Register
| Nr. 005/003
| Entwicklungsstufe:
| 3 + IDA |
Diagnostik und Therapie des
Karpaltunnelsyndroms
Synonyme
Distales Medianuskompressionssyndrom, Handgelenkstunnelsyndrom, Brachialgia paraesthetica nocturna, Engl. Carpal tunnel syndrome ICD 10-GM (Version 2006): G 56.0
AbkĂŒrzungen
| EMG
| Elektromyographie
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| NLG
| Nervenleitgeschwindigkeit
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| SNAP
| sensibles Nervaktionspotential
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| MR, MRT
| Magnetresonanztomographie
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| dmL
| Distal-motorische Latenz
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| N.
| Nervus
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| ms
| Millisekunde
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| m/s
| Meter pro Sekunde
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| KTS, CTS
| Karpaltunnelsyndrom, Carpal tunnel syndrome
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| NVL
| Nationale Versorgungsleitlinien
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| AAEM
| American Association of Electrodiagnostic Medicine |
Inhaltsverzeichnis
- Methodische Grundlagen
- Definition
- Vorkommen/HĂ€ufigkeit
- Ursache/Pathogenese
- Symptome
- Begleiterkrankung
- klinische Untersuchung
- Elektrophysiologische Diagnostik
- 8.1 motorische Neurographie
- 8.2 sensible Neurographie
- 8.3 zusÀtzliche neurographische Untersuchungen
- 8.4 diagnostische Besonderheiten
- Weitere (fakultative) Zusatzdiagnostik
- Differenzialdiagnosen
- Behandlung
- 11.1 konservative Behandlung
- 11.2 operative Behandlung
- Nachbehandlung
- Prognose und Verlauf
- Komplikationen
- Revisionseingriffe
- Klinischer Algorithmus
- Literatur
- Verfahren zur Konsensbildung
- Einleitung / Methodische GrundlagenDie Leitlinie richtet sich an die in der Versorgung von Patienten mit diesem Krankheitsbild tĂ€tigen Gesundheitsberufe. Zum VerstĂ€ndnis dieser Leitlinie sind medizinische Vorkenntnisse erforderlich. Neben dieser Langversion sind eine Kurzversion und eine Patientenversion verfĂŒgbar. Die Entstehung der Leitlinie wird in einem gesondert publizierten Leitlinienreport beschrieben.
Die Leitlinie soll die derzeit aktuellen Methoden in Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms darstellen. Wegen der groĂen praktischen Bedeutung (hĂ€ufigstes Kompressionssyndrom eines peripheren Nervs und zweithĂ€ufigster ambulanter Eingriff in Deutschland) ergab sich die Notwendigkeit einer fachĂŒbergreifenden "evidenz"basierten S3-Leitlinie, die die bisherigen S1- und S2-Leitlinien von drei Fachgesellschaften ersetzt. Bei der Erstellung wurden die Empfehlungen des Nationalen Programms fĂŒr Versorgungsleitlinien (NVL-Methodenreport Juli 2004) berĂŒcksichtigt. Sofern die Daten in der wissenschaftlichen Literatur "evidenz"-basierte Aussagen zur Diagnose und Behandlung ermöglichen, wurde der daraus resultierende Empfehlungsgrad hervorgehoben. Bei konkurrierenden Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bedeutet ein hoher Empfehlungsgrad fĂŒr eine einzelne MaĂnahme nicht zwangslĂ€ufig, dass sie allen anderen Methoden ĂŒberlegen ist. Die "Evidenz"aussage bezieht sich auf die untersuchte Fragestellung. Oft fehlen aber entsprechende Studien fĂŒr die anderen Methoden/MaĂnehmen oder zum Vergleich der Methoden. Eine Unwirksamkeit oder Unterlegenheit kann nur bei explizitem Nachweis als gesichert angesehen werden. Auf der Basis der "Evidenz"grade (d.h. der NachweisstĂ€rke der EffektivitĂ€t) 1-5 fĂŒr die einzelnen Aussagen der Literaturrecherche erfolgt im Leitlinienentwicklungsprozess die Festlegung der Empfehlungsgrade A, B oder 0 gemÀà den Empfehlungen des Nationalen Versorgungsprogramms fĂŒr die Versorgungsleitlinien [NVL 2004].
Die Empfehlungsgrade A, B, 0 bedeuten:
| Starke Empfehlung
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| Empfehlung
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| Empfehlung offen |
Die zugehörigen "Evidenz"grade 1-5 sind im Text bei den jeweiligen Literaturzitaten in [Fettdruck] angegeben. Ăber die Einstufung muss innerhalb der Expertengruppe ein Konsens hergestellt werden. Es kann vorkommen, dass im Einzelfall bei der Festsetzung des Empfehlungsgrades von dem "Evidenz"Grad abgewichen wird. Dies gilt insbesondere fĂŒr bestimmte operative Techniken wie endoskopische Verfahren oder Kurzinzisionen, die eine besondere Erfahrung des Operateurs erfordern bzw. voraussetzen oder bei einstimmiger Expertenmeinung. Im Allgemeinen basieren jedoch die Empfehlungsgrade auf folgenden "Evidenz"graden (Center of Evidence based Medicine, Oxford 2001):
| Empfehlungsgrad
| "Evidenz"grade fĂŒr Therapiestudien
| Typen von Literaturstudien
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| A
| 1a
| Systematisches Review randomisierter kontrollierter Studien
|
| 1b
| mindestens eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
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| B
| 2a-b
| Systematisches Review von vergleichenden Kohortenstudien
|
| 3a-b
| Systematisches Review von Fall-Kontrollstudien oder mindestens eine gut geplante kontrollierte Studie
|
| O
| 4
| Fallserien und mangelhafte Fall-Kontrollstudien, begrĂŒndete Expertenmeinung
|
| 5
| Meinungen ohne explizite kritische Bewertung |
| Empfehlungsgrad
| "Evidenz"grade fĂŒr Diagnosestudien
| Typen von Literaturstudien
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| A
| 1a
| Systematisches Review guter Diagnose-Studien vom Typ Ib
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| 1b
| Studie an einer Stichprobe der Zielpopulation, bei der bei allen Patienten der Referenztest unabhÀngig, blind und objektiv eingesetzt wurde
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| B
| 2a-b
| Systematisches Review von Diagnosestudien oder mindestens eine, bei der an einer selektierten Stichprobe der Zielpopulation der Referenztest unabhÀngig, blind und unabhÀngig eingesetzt wurde
|
| 3a-b
| Systematisches Review von Diagnosestudien oder mindestens eine, bei der der Referenztest nicht bei allen Personen eingesetzt wurde
|
| O
| 4
| Fall-Kontrollstudie oder Studien mit nicht objektiv, blind oder unabhÀngig eingesetztem Referenztest
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| 5
| Meinungen ohne explizite kritische Bewertung |
- DefinitionBeim Karpaltunnelsyndrom (KTS) handelt es sich um ein Beschwerdebild aufgrund einer DruckschÀdigung des N. medianus (Mittelnerv) im Karpaltunnel (knöchern - bindegewebiger Kanal an der Handwurzel) durch ein MissverhÀltnis zwischen Weite und Inhalt des Tunnels. Leitsymptom: "HÀnde schlafen ein".
- Vorkommen / HĂ€ufigkeitDas KTS ist das hĂ€ufigste Engpass-Syndrom eines peripheren Nervs. Die divergierenden epidemiologischen Daten beruhen auf dem Fehlen einer einheitlichen und allgemein akzeptierten Klassifikation (und Stadieneinteilung). Es besteht allenfalls Ăbereinstimmung darin, dass die Kombination von elektrodiagnostischem Befund und typischer klinischer Symptomatik die beste Grundlage fĂŒr eine Klassifikation wĂ€re (Rempel et al 1998). Untersuchungen der erwachsenen Bevölkerung SĂŒdschwedens ergaben dort eine HĂ€ufigkeit (PrĂ€valenz) von 14,8% fĂŒr die typischen Symptome des KTS und von 4,9% fĂŒr die elektroneurographisch verifizierten FĂ€lle (Atroshi et al. 1999). Die Inzidenz (Zahl der Neuerkrankungen) wurde mit 3,45 FĂ€llen auf 1000 Einwohner und Jahr angegeben (Nordstrom et al 1998) bzw. 3,3 FĂ€llen in einer italienischen Studie (Mondelli et al 2002).
Frauen sind wesentlich hĂ€ufiger betroffen als MĂ€nner (72% Frauen: Geoghegan et al 2004), ebenso Ăbergewichtige im Vergleich mit Normalgewichtigen (Atroshi et al 1999, Nathan et al 2005, Stallings et al 1997). Das Erkrankungsalter liegt vorwiegend zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr, aber auch bei Jugendlichen und in sehr hohem Alter kommt das KTS vor. Bei Kindern ist es selten (Lamberti u. Light 2002). Das Syndrom tritt hĂ€ufig beidseits auf mit einer PrĂ€valenz von 80% (Rosenbaum u. Ochoa 2002, Padua et al 1999a). Beidseitige BehandlungsbedĂŒrftigkeit besteht bei mehr als 50% der FĂ€lle. Die PrĂ€valenz in der GraviditĂ€t wird mit 17% (Bahrami et al 2005) bzw. 43% in einer italienischen Multicenterstudie (Padua et al 2001, Pazzaglia et al. 2005 [1b]) angegeben, bei Dialyse-Patienten mit 32% (Kessler et al 1992).
- Ursache/PathogeneseVoraussetzung fĂŒr die Entstehung des Krankheitsbildes ist ein anatomischer Engpass (Bekkelund u. Pierre-Jerome 2003, Bleecker et al 1985) als konstitutionelle Variante (Kamolz et al 2004) oder eine Variante des Os hamatum (Chow et al 2005). Es gibt Hinweise auf eine familiĂ€re HĂ€ufung (Assmus 1993, Radecki 1994). Auslöser fĂŒr die klinische Symptomatik ist eine Volumenzunahme des Tunnelinhalts.
Ursachen dieser Volumenvermehrung sind
- SchwellungszustĂ€nde des Sehnengleitgewebes bei degenerativen, rheumatischen, hormonellen und stoffwechselbedingten Erkrankungen (Myxödem, Akromegalie, Gicht, Mukopolysacharidose u.a.), in der GraviditĂ€t oder ĂŒberlastungsbedingt
- Traumata (Radiusfraktur, Handwurzelluxation, posttraumatische Handgelenksarthrose mit Osteophyten, Einblutung)
- Handgelenksarthrose anderweitiger Ursache
- tumoröse und tumorÀhnliche Raumforderungen (Lipome, Ganglien, Osteophyten)
- multifaktoriell bei Dialysepatienten
Sehr selten manifestiert sich das KTS bereits im Kindesalter (Van Meir u De Smet 2003): Ursachen sind hier meist Stoffwechselstörungen wie z.B. Mukopolysacharidose oder angeborene Fehlbildungen (z.B. Lipofibromatose). Eine selten auftretende Sonderform stellt das "akute" KTS dar. Es ist nach Traumata, Handphlegmonen, Ădem und Blutungen zu beobachten. Liegt unmittelbar nach einer distalen Radiusfraktur oder deren osteosynthetischer Versorgung eine N. Medianus - Symptomatik vor, ist immer auch an eine direkte NervlĂ€sion zu denken. Die komplexe Pathogenese stellt sich (in vereinfachter Form) folgendermaĂen dar: Eine Druckerhöhung im Karpalkanal fĂŒhrt zur Kompression der Venolen, spĂ€ter auch der Arteriolen und Kapillaren des Epi- und Perineuriums mit konsekutiver IschĂ€mie des N. medianus und Ausbildung eines intraneuralen Ădems, das eine fokale Demyelisierung auslöst. In der Folge resultieren NervenfaserlĂ€sionen, wobei die dicken markhaltigen Fasern als erste geschĂ€digt werden. Die gelĂ€ufige nĂ€chtliche Symptomzunahme wird auf das Abknicken des Handgelenks wĂ€hrend des Schlafes zurĂŒckgefĂŒhrt, das den Druck im Karpalkanal zusĂ€tzlich erhöht und die Durchblutung weiter drosselt. In den ödematös geschwollenen Nerv sprossen Fibroblasten ein, die zur Fibrosierung und zur weiteren SchĂ€digung der Nervenfaser mit Axondegeneration fĂŒhren. Das AusmaĂ der NervschĂ€digung ist abhĂ€ngig von StĂ€rke und Dauer der Kompression.
- SymptomeEine leichte Kompression des N. medianus im Karpaltunnel fĂŒhrt zunĂ€chst zu Reizsymptomen. Die Brachialgia paraesthetica nocturna oder das nĂ€chtliche "Einschlafen der HĂ€nde" ist typisches Erstsymptom und nahezu pathognomonisch fĂŒr das KTS. Die hĂ€ufig schmerzhaften KribbelparĂ€sthesien oder nadelstichartigen Missempfindungen betreffen vorwiegend die mittleren Finger, spĂ€ter auch Daumen und Zeigefinger mit Schmerzausstrahlung in den Arm. Par- und DysĂ€sthesien treten besonders nachts oder gegen Morgen auf, aber auch tags bei bestimmten TĂ€tigkeiten (Rad- und Motorradfahren, Zeitung Lesen, Telefonieren, Stricken usw.) und lassen sich durch "AusschĂŒtteln" und Reiben, sowie Pumpbewegungen der Finger, StellungsĂ€nderung des Arms bzw. der Hand, Halten unter kaltes Wasser usw. bessern oder beseitigen. Durch Ruhigstellung des Handgelenks mittels einer Schiene können die nĂ€chtlichen schmerzhaften ParĂ€sthesien vermieden bzw. abgemildert werden.
Als Ausdruck einer zunehmenden MedianusschĂ€digung wird das Auslösen elektrisierender Missempfindungen ("elektrische SchlĂ€ge") durch Greifbewegungen oder eine permanent anhaltende Missempfindung ("die Finger kribbeln stĂ€ndig") angesehen. Bei weiterem Fortschreiten des Krankheitsbildes kommt es zu Ausfallserscheinungen mit einer zunehmenden HypĂ€sthesie einschlieĂlich BeeintrĂ€chtigung der StereoĂ€sthesie ("Finger taub", "kann keine feinen Handarbeiten mehr machen"). Im SpĂ€tstadium, meist von dem Patienten nicht bemerkt, findet sich eine Atrophie des seitlichen Daumenballens (Mm. Abductor pollicis brevis und opponens pollicis) mit Abspreiz- und OppositionsschwĂ€che des Daumens. Nur selten werden auch vegetative Störungen in Form von trophischen Haut- und NagelverĂ€nderungen beobachtet. Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein. Viele Patienten haben ĂŒber Jahre nur relativ geringfĂŒgige Beschwerden mit lĂ€ngeren beschwerdefreien Intervallen. Ein erneutes Auftreten oder eine Zunahme der Beschwerden wird in der Regel beobachtet nach manueller Ăberlastung (z. B. schwere Gartenarbeit, Hausbau/Renovierung usw.), in der GraviditĂ€t oder nach Verletzungen (Radiusfraktur) u.a.
- BegleiterkrankungEine Tendovaginosis stenosans ("Schnappfinger") und deren Vorstadien mit vermehrter Morgen-Steifigkeit der Finger oder schmerzhaftem und inkomplettem Faustschluss ist eine hĂ€ufige und praktisch wichtige, meist behandlungsbedĂŒrftige Begleiterkrankung und kommt in mehr als 16% der FĂ€lle gleichzeitig mit einem KTS vor (Assmus 2000).
- klinische UntersuchungObwohl die Diagnose hĂ€ufig bereits aufgrund der Anamnese gestellt werden kann, ist die klinische Untersuchung zur Sicherung der Diagnose und Dokumentation der Schwere der Erkrankung, zur Stellung der Operationsindikation und aus differenzialdiagnostischen ErwĂ€gungen unentbehrlich. DafĂŒr stehen folgende Untersuchungstechniken zur VerfĂŒgung:
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- Inspektion und Palpation vorzugsweise zur Erkennung oder zum Ausschluss einer Muskelatrophie. Hierbei ist zu beachten, dass eine beginnende Atrophie des lateralen Thenar (evtl. durch subkutanes Fettgewebe verdeckt), besser palpatorisch und im Seitenvergleich feststellbar ist. Das gleiche gilt fĂŒr eine verminderte SchweiĂsekretion, die allerdings nur bei hochgradiger NervschĂ€digung zu beobachten ist. Vorsicht: Durch eine Daumensattelgelenksarthrose (Rhizarthrose) kann eine (neurogene) Thenaratrophie vorgetĂ€uscht werden (s. auch "PrĂŒfung der Motorik")!
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- PrĂŒfung der OberflĂ€chensensibilitĂ€t (BerĂŒhrung mit Wattebausch) und der StereoĂ€sthesie (Zweipunktediskrimination, Aufsammeln und Erkennen von MĂŒnzen oder BĂŒroklammern)
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- Bei der PrĂŒfung der Motorik ist auf eine Abduktions- und OppositionsschwĂ€che des Daumens zu achten, die ein SpĂ€tsymptom darstellt. Das "Flaschenzeichen" erlaubt eine gute Beurteilung der Funktion des M. abductor pollicis brevis und gilt als empfindlichster Indikator einer motorischen LĂ€sion beim KTS (Rosenbaum u. Ochoa 2002, S. 37).
Vorsicht: Eine Adduktionskontraktur des Daumens bei Rhizarthrose kann ein positives Flaschenzeichen vortÀuschen.
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- Fakultativ sind Provokationstests: Am gelĂ€ufigsten sind der Phalen-Test und das Hoffmann-Tinel-Zeichen (MacDermid u. Wessel 2004, Rosenbaum u. Ochoa 2002), weniger gebrĂ€uchlich sind Druck- bzw. Tourniquet-Tests wie z.B. der Durkan-Test (Richter u. BrĂŒser 1999). Die diagnostische Wertigkeit der Tests wird unterschiedlich beurteilt (Gunnarson et al 1997, MacDermid u. Wessel 2004, Massy-Westropp et al 2000, Richter und BrĂŒser 1999). Die Provokations-Tests liefern im FrĂŒhstadium der Erkrankung wichtige Hinweise auf einen Reizzustand des N. medianus, wenn andere klinische und diagnostische Tests negativ ausfallen (Rosenbaum u. Ochoa 2002). Sie sind jedoch weniger sensitiv und zuverlĂ€ssig als die elektrophysiologische Diagnostik (Buch-Jaeger u. Foucher 1994, de Krom et al. 1990, Kaul et al 2001, Mondelli et al. 2001a).
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- Elektrophysiologische DiagnostikDie sensible und motorische Neurographie sind empfindliche und zuverlĂ€ssige Methoden zum Nachweis des chronischen KTS. Leitbefund ist die reduzierte Nervenleitgeschwindigkeit des N. medianus im Karpaltunnel als Folge der Demyelinisierung. Entwickelt sich in fortgeschrittenem Stadium ein Axonschaden, so fĂŒhrt dieser zusĂ€tzlich zu erniedrigten Amplituden der Reizantworten.
SensitivitĂ€t und SpezifitĂ€t der einzelnen Untersuchungen steigen deutlich bei intraindividueller Vergleichsmessung mit nicht betroffenen Nerven oder Nervsegmenten. Voraussetzung fĂŒr reproduzierbare und valide Messungen sind einheitliche Untersuchungsbedingungen und Einstellungen der MessgerĂ€te gemÀà den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Klinische Neurophysiologie (DGKN). (Stöhr 2005):
- Einsatz geeigneter geeichter EMG-GerÀte der MedGV entsprechend
- Hinreichende Expertise des Untersuchers (z.B. EMG-Zertifikat der DGKN)
- Beachtung der empfohlenen GerÀteeinstellungen
- Messung, ggfls. Korrektur der Hauttemperatur auf 34 Grad C.
- Exakte Messung der Distanzen
| Prinzipiell ist die elektrophysiologische Diagnostik als relevante Methode zum zuverlĂ€ssigen Nachweis eines KTS zu empfehlen (AAEM 2002 [1a]). Folgende Messungen stehen zur VerfĂŒgung: |
8.1 Motorische Neurographie:
Bestimmung der distal-motorischen Latenz des N. medianus (im Vergleich zur motorischen Latenz des N. ulnaris der betroffenen Hand) ist einfach durchzufĂŒhren und zuverlĂ€ssig. Bei einer Distanz von 6,5 cm ist ein Wert von > 4,2 ms pathologisch. Die distal motorische Latenz des N. ulnaris darf dann einen Grenzwert von 3,3 ms nich ĂŒberschreiten. Die SpezifitĂ€t dieser Messung ist relativ hoch, die SensitivitĂ€t jedoch nur gering (AAEM 2002). Die Untersuchung des N. medianus sollte immer den Unterarmabscnitt des Nervs mit einbeziehen, beidseits erfolgen und vorzugsweise auf der symptomatischen Seite auch fĂŒr N. ulnaris durchgefĂŒhrt werden.
8.2 Sensible Neurographie
Bei grenzwertigem oder nicht eindeutigem Befund ist zusÀtzlich eine sensible Neurographie erforderlich. Hierbei stehen zwei Methoden zur Auswahl:
- Sensible NLG des N. medianus im Segment DIII-Handgelenk (antidrom oder orthodrom) (Atroshi et al. 2003 [2a], Aygul et al 2005, Kothari et al 1995, Macdonell et al 1990). Bei einer Normtemperatur von 34 Grad und mittlerem Lebensalter (< 60 J.) ist der Grenzwert 46,9 m/s. Im Vergleich zum N. ulnaris (Kleinfinger - Handgelenk) (Grenzwert 44,6 m/s) weist eine Differenz der NLG > 8 m/s eine hohe SpezifitÀt von 98% auf. Die SensitivitÀt ist mit 89% ebenfalls hoch (AAEM 2002).
- Nicht ganz so empfindlich, jedoch schneller durchfĂŒhrbar ist der Vergleich der sensiblen Potentiale am Ringfinger, der keine Temperaturkorrektur erfordert. Hierbei werden die Latenzen der sensiblen Nervenaktionspotentiale (SNAP) des N. medianus und des N. ulnaris antidrom vom Ringfinger abgeleitet und miteinander verglichen (Behse und Masuhr 2002, Charles et al 1990, Jackson u. Clifford 1989, Johnson et al 1981, Kuhlman u. Hennessy 1997, Schuhfried et al. 2004, Seror 1994, Uncini et al 1989, Uncini et al 1993). Eine Latenzdifferenz von > 0,5 ms ist pathologisch. Die SpezifitĂ€t dieser Messung betrĂ€gt 97%, die SensitivitĂ€t 85% (AAEM 2002).
8.3 ZusÀtzliche neurographische Untersuchungen
Sollte trotz dieser Messungen noch keine eindeutige diagnostische Einordnung möglich sein, ist die intraindividuelle Messung einzelner Nervensegmente die sensitivste, aber aufwÀndigste Methode (Bischoff 2004, Chang et al 2002b):
- sensible/gemischte NLG des N. medianus in kurzen Segmenten (8 cm) Finger - Hohlhand im Vergleich zu Hohlhand - Handgelenk (Padua et al 1999 b, Sander et al 1999). Werte der NLG-Differenz > 8 m/s sind signifikant.
- Sensible/gemischte NLG in kurzen Segmenten von 8cm des N. medianus und ulnaris im Vergleich. Als pathologisch werden Latenzen > 1,8 ms oder Differenzen > 0,5 ms gewertet. Die SpezifitÀt betrÀgt 98%, die SensitivitÀt 71% (AAEM 2002).
- Ăhnlich empfindlich ist die vergleichende Untersuchung der distal motorischen Latenz des N. medianus bei Ableitung in der Hohlhand ĂŒber dem medianusinnervierten M. lumbricalis II und dem ulnarisinnervierten M. interosseus dorsalis II nach Stimulation des N. medianus und N. ulnaris bei identischer Distanz (Vogt et al 1997). Eine Latenzdifferenz > 0,6 ms ist pathologisch. Die SpezifitĂ€t dieser Messung betrĂ€gt 98%, die SensitivitĂ€t liegt bei 87% (AAEM 2002).
8.4 Diagnostische Besonderheiten:
- Eine Ăberbewertung eines pathologischen neurographischen Befundes, insbesondere dann, wenn die klinische Symptomatik nicht zum Bild eines KTS passt, kann zu einer fehlerhaften Diagnose bzw. Indikationsstellung fĂŒhren. Das gleiche gilt fĂŒr fehlerhafte Untersuchungen wie die submaximale Stimulation oder die versehentliche Mitstimulation des N. ulnaris, letztere insbesondere dann, wenn die Messwerte fĂŒr den N. medianus bei hochgradiger Atrophie des Ableitemuskels nicht mehr eindeutig ablesbar sind.
- Wegen der Möglichkeit eines bds. KTS und einer systemischen Affektion des peripheren Nervensystems (z.B. einer Polyneuropathie) sollte stets die motorische und sensible Neurografie auch des ipsilateralen N. ulnaris und des kontralateralen N. medianus durchgefĂŒhrt werden (vorzugsweise als intraindividuelle Vergleichsmessungen).
- Innervationsanomalien (Martin-Gruber-Anastomose u.a.) haben Einfluss auf die Messung. Deren Kenntnis ist Voraussetzung fĂŒr eine sichere Interpretation der Befunde.
- Bei dem seltenen "akuten" KTS: kann auch nur ein Leitungsblock nachweisbar sein.
- Weitere (fakultative) Zusatzdiagnostik
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- Die Elektromyographie des M. abductor pollicis brevis ist routinemĂ€Ăig nicht erforderlich, sondern nur zum Nachweis einer axonalen LĂ€sion (AAEM 2002 [1a]), oder bei technischen Schwierigkeiten (Innervationsanomalie, Thenaraplasie, fortgeschrittener Muskelatrophie oder pathologisch erhöhter Reizschwelle des N. medianus).
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- bildgebende Untersuchungen sind in der Regel entbehrlich, haben aber ihren Stellenwert in der Diagnose und Differenzialdiagnose von Begleiterkrankungen.
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- Eine Röntgennativuntersuchung des Handgelenks ist bei klinischem Verdacht auf Arthrose bzw. knöcherne VerĂ€nderungen nĂŒtzlich, hat jedoch nur selten eine unmittelbare therapeutische Konsequenz (Bindra et al 1997)
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- Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist allenfalls bei Tumorverdacht zu empfehlen, fĂŒr die Diagnostik des KTS ist die Methode zur Zeit noch weniger geeignet. Die SensitiviĂ€t liegt bei 96%, die SpezifitĂ€t betrĂ€gt jedoch ledigleich 33-38% (Jarvik et al 2002 [2b]. Morphologische und Lage-VerĂ€nderungen des Nervs lassen sich mit dem MRT gut darstellen (Uchiyama et al 2005) und möglicherweise fĂŒr die Diagnose des KTS-Rezidivs nutzen (Wu et al 2004).
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- Mit der hochauflösenden Sonographie können die Weite des knöchernen Karpalkanals (Beekman u Visser 2003 [3], Nakamichi u Tachibana 2002 [3]) und zystische VerĂ€nderungen (z.B. ein Ganglions im Karpaltunnel) sichtbar gemacht werden. Kele et al (2003) fanden im Vergleich mit der Neurographie eine SensitivitĂ€t von 89,1% und eine SpezifitĂ€t von 98%. Die Sonographie ist stark abhĂ€ngig von der Erfahrung des Untersuchers. Mit weiter verbesserter Auflösung könnte die Methode gröĂere Bedeutung bekommen (El Miedany et al 2004, Jarvik et al 2004, Lee et al 2005, Wong et al 2004,Yesildag et al 2004, Ziswiler et al 2005)
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- Als Ersatz fĂŒr eine elektrophysiologischen Untersuchung wurden Patientenfragebögen und klinische Tests empfohlen (Kamath u. Stothard 2003,). Die Datenlage erlaubt jedoch keine allgemeine Empfehlung.
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- DifferenzialdiagnosenDie hÀufigsten Differenzialdiagnosen sind:
- zervikale Radikulopathie der Wurzeln C6 und C7
- Polyneuropathie.
Seltenere Differenzialdiagnosen umfassen:
- LĂ€sionen oder anderweitige Kompressionen des N. medianus (Pronator- Syndrom, Thoracic-outlet-Syndrom, Skalenussyndrom)
- Spinale Erkrankungen (zervikale Myelopathie, Syringomyelie, spinale Muskelatrophie,)
- Nicht-neurogene bzw. anderweitige Erkrankungen (Unterarm-Kompartment-Syndrom, Polymyalgie, Raynaud-Syndrom, Borrelliose u.a.)
Bei atypischen Beschwerden, oft durch Ăberlagerung mehrerer Krankheitsbilder bedingt, sind differenzialdiagnostische Erörterungen und eine erweiterte Elektrodiagnostik (Witt et al 2004) zwingend erforderlich! So kann das KTS zusammen mit einer radikulĂ€ren Symptomatik oder Polyneuropathie auftreten; hier ist eine möglichst genaue AbwĂ€gung der ĂŒberwiegenden bzw. im Vordergrund stehenden Ursache erforderlich. Hier kann auch eine probeweise nĂ€chtliche Schienung des Handgelenks oder die Injektion eines Kortikosteroid-PrĂ€parats in den Karpaltunnel sinnvoll und bei der Indikationsstellung zur Operation nĂŒtzlich sein (Green 1984), wobei eine adĂ€quate Injektionstechnik beachtet werden muss (s. auch 11.1).
- BehandlungBehandlungsbedĂŒrftigkeit besteht bei hĂ€ufig auftretenden oder anhaltenden typischen Beschwerden/Symptomen, nicht jedoch bei pathologischem elektrophysiologischer Befund ohne klinische Symptome.
11.1 konservative Behandlung
Im FrĂŒhstadium der Erkrankung, wenn lediglich Reizsymptome wie z.B. nĂ€chtlichen ParĂ€sthesien bestehen (Kapitel 4), ist ein konservativer Behandlungsversuch gerechtfertigt. Hier stehen folgende Verfahren zur VerfĂŒgung:
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- eine nachts anzulegende palmare Handgelenksschiene (O'Connor et al 2003 [1a], Werner et al 2005 [1b]).
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- orale Verabreichung eines Kortikoid-PrĂ€parats (O'Connor et al 2003 [1a] dessen Anwendung auf zwei Wochen begrenzt werden sollte (Chang et al 2002a [1b]). In Deutschland ist hierĂŒber wenig Praxiserfahrung vorhanden.
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- eine lokale Infiltration von Kortikoid-Kristallsuspension in den Karpaltunnel, die gegenĂŒber der oralen Gabe einen besseren Effekt aufweist (Marshall et al 2002 [1a]). Ihre Wirkung ist fĂŒr einen Zeitraum von acht Wochen vergleichbar einer Kombination aus einer entzĂŒndungshemmenden Medikation und Schiene (Graham et al 2004 [2b], Marshall et al 2002 [1a]). Sie kann kurzfristig sogar rascher zu Besserung fĂŒhren als die operative Behandlung (Ly-Pen et al 2005). In der Langzeitwirkung sind die Schiene (Sevim et al 2004) ebenso wie die Operation (Armstrong et al 2004 [1b]) aber ĂŒberlegen, sodass Mehrfachinjektionen nicht zu empfehlen sind. Diese bergen ebenso wie eine unzulĂ€ngliche Injektionstechnik das Risiko einer Nerv- oder SehnenschĂ€digung!
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In einer systematischen LiteraturĂŒbersicht (O'Connor et al 2003 [1a]) werden weitere konservative Behandlungsverfahren aufgefĂŒhrt:
- lokale Ultraschalltherapie, die allerdings nur nach mehrwöchiger Anwendung (etwa sieben Wochen) einen Effekt zu zeigen scheint.
- und andere wie Yoga, Handwurzelmobilisation, NervengleitĂŒbungen, Magnettherapie, die allenfalls eine zeitlich begrenzte Wirkung haben, und somit nicht empfohlen werden können (Muller et al 2004).
- Die Gabe von entzĂŒndungshemmenden, nichtsteroidalen Medikamenten ist weit verbreitet und soll daher erwĂ€hnt werden. Die gegenwĂ€rtige Datenlage zeigt aber keinen anhaltenden signifikanten Effekt gegenĂŒber Plazebo. Dies gilt auch fĂŒr Diuretika, Vitamin B6-PrĂ€parate (O'Connor et al 2003) und Laser-Behandlung (Irvine et al 2004).
11.2 operative Behandlung
| Die operative Behandlung ist bei entsprechender Indikationsstellung (s. unten) konservativen MaĂnahmen eindeutig ĂŒberlegen (Gerritsen et al. 2002 [1b], Katz et al. 1998 [2b], Verdugo et al. 2003 [1a]) | Der Eingriff wird in der Regel ambulant (aus Patienten bezogenen GrĂŒnden auch stationĂ€r) durchgefĂŒhrt. AnĂ€sthesie-Optionen sind die lokale InfiltrationsanĂ€sthesie (mit feiner Nadel: Watts u. Mceahan 2005), die i.v.-Regional- oder PlexusanĂ€sthesie oder Allgemeinnarkose. Neben der Retinakulumspaltung können in der gleichen Sitzung Begleiterkrankungen mitbehandelt werden wie z.B. die Ringbandspaltung eines oder mehrerer Finger bei Tendovaginosis stenosans (s. Kapitel 5) oder die Beseitigung pathologischer VerĂ€nderungen im Karpaltunnel. Der Eingriff ist auch beiderseits in einer Sitzung möglich (Acharya et al 2005). Die Entscheidung hierzu ist jedoch dem Einzelfall anzupassen.
Ziel des Eingriffs ist die Dekompression des N. medianus durch vollstĂ€ndige Retinakulumspaltung, auch der Anteile proximal der Hangelenksbeugefurche einschlieĂlich des Ligamentum carpi palmare unter Schonung atypischer motorischer Ăste, sowie des Ramus palmaris n. medianus und seiner SeitenĂ€ste. Der Eingriff sollte wegen der damit einhergehenden Risiken nur durch einen hierfĂŒr ausgebildeten und erfahrenen Operateur vorgenommen werden.
Indikation zur Operation: Bei anhaltenden sensiblen und/oder motorischen Ausfallserscheinungen wie BeeintrÀchtigung der StereoÀsthesie und Nachlassen der Abduktions- und Oppositionskraft des Daumens bzw. einer Thenaratrophie sowie bei relevanten, den Patienten beeintrÀchtigenden oder durch konservative Behandlung) nicht gebesserten, insbesondere schmerzhaften ParÀsthesien besteht eine Operationsindikation.
| Die Operation ist bei ĂŒberlagernder diabetischer Polyneuropathie indiziert und wirksam (Aszmann et al. 2000 [3]).
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| Die Operation ist auch bei Schwangeren zu empfehlen, wenn Ausfallserscheinungen vorliegen (Assmus u. Hashemi 2000 [3], zumal - hÀufiger als bisher angenommen - in mehr als 50% die Beschwerden postpartal anhalten bzw. spÀter erneut auftreten können (Padua et al 2002).
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| Auch bei einem manifesten Komplexen Regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) und gleichzeitigem KTS kann unter ausreichender Analgesie die Retinakulumspaltung, die zu sofortiger Schmerzreduktion fĂŒhrt, indiziert sein (Grundberg u. Reagan 1991 [3b], Monsivais 1993 [3]). Ebenso ist nach Operation eines Mamma-Karzinoms eine ipsilaterale KTS-Operation (auch in Blutsperre) ohne erhöhtes Risiko möglich (Assmus u. Staub 2004 [3b]).
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| Die operative Behandlung fĂŒhrt in sehr fortgeschrittenen FĂ€llen (sog. "ausgebranntes" KTS) hĂ€ufig noch zu einem befriedigenden Ergebnis (Mondelli et al 2001b [3b], Nolan et al 1992 [4]), auch wenn die Thenaratrophie meist nicht mehr rĂŒckbildungsfĂ€hig ist.
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| In hohem Alter profitieren die Patienten ebenfalls von einem Eingriff (Hobby et al 2005 [3b], Townshend et al 2005 [3b], Weber et al 2005 [2b]). Eine gleichzeitige radikulĂ€re Irritation oder LĂ€sion schlieĂt eine operative Indikation nicht aus. Man sollte den Patienten aber darauf hinweisen, dass der Behandlungserfolg (aus der Sicht des Patienten) möglicherweise ungenĂŒgend ist. FĂŒr eine adĂ€quate prĂ€operative AufklĂ€rung des Patienten bezĂŒglich Operationstechnk, Verlauf, Risiken und möglicher Komplikationen ist Sorge zu tragen. Die AufklĂ€rung ist noch am Operationstag zulĂ€ssig, wenn dem Patienten die Möglichkeit einer eigenstĂ€ndigen Entscheidung eingerĂ€umt wird (BGH-Urteil 1994). |
Operative Verfahren: Zwei Methoden der operativen Behandlung sind etabliert:
- die offene Retinakulumspaltung
Hierbei ist Folgendes zu beachten:
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- Blutsperre/-leere ist ratsam.
Die Notwendigkeit wird kontrovers beurteilt (s. Methodenreport). Sie erleichtert sicherlich schwierige PrÀparationen z.B. im Rahmen von Revisionseingriffen aber auch bei Innervationsanomalien.
- Die Inzision muss ausreichend groĂ sein, um eine gute Ăbersicht im Operationsgebiet zu gewĂ€hrleisten. Die zahlreichen Varianten des Verlaufs des Ramus palmaris N. medianus bzw. seiner SeitenĂ€ste und der möglichen Verbindungen zum N. ulnaris erlauben keine gesicherte Empfehlung zur SchnittfĂŒhrung (Martin et al 1996 [5], Watchmaker et al 1996 [5]).
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- Ein "Kurzschnitt" unmittelbar distal der Rascetta (Huang u. Zager 2004), eine weiter distal gelegene "Mini-Inzision" (Bromley 1994, Mosher 2001, Richter u. BrĂŒser 1996 [1b], Schmidt et al 2000 [2a]) oder eine Doppelinzision (Wilson 1994) können möglicherweise die LĂ€sion dieser variablen Hautnerven vermindern. Sie sollten aber dem erfahreneren Operateur vorbehalten bleiben (hier Empfehlungsgrad A (Scholten 2004)). InadĂ€quate Inzisionen erhöhen das Risiko von inkompletten Retinakulumspaltungen und LĂ€sionen des N. medianus und seiner Ăste, aber auch des N. ulnaris (Hunt u. Osterman 1994, Assmus et al. 2006) (s. auch Komplikationen!).
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- Eine routinemĂ€Ăige Epineurotomie ist bei Ersteingriffen nicht notwendig (Borisch und Haussmann 2003 [1b], Leinberry et al 1997 [2b], Scholten 2004 [1a]),
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- eine interfaszikulĂ€re Neurolyse fĂŒhrt zu schlechteren Ergebnissen und ist nicht angezeigt (Chapell et al. 2003 [2b], Scholten 2004 [1a]).
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- Die Darstellung des motorischen Astes ist routinemĂ€Ăig nicht erforderlich, jedoch ist Vorsicht bei atypischem Abgang bzw. Normvarianten (Lanz 1977) geboten!
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- Eine Synovialektomie ist ebenfalls routinemĂ€Ăig nicht erforderlich (Shum et al 2002 [2b]), sondern nur bei auffallenden pathologischen VerĂ€nderungen wie z.B. bei hypertropher oder entzĂŒndlich-rheumatischer Synovialitis und Amyloidose bei Dialysepatienten.
- Eine Resektion der Palmaris-longus-Sehne sollte nicht erfolgen. Atypische Muskeln oder Sehnen innerhalb des Karpalkanals können im Einzelfall reseziert werden.
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- Eine Rekonstruktion des Retinakulum (z.B. durch eine Z-Plastik) zur Verbesserung der postoperativen Grobkraft wird widersprĂŒchlich beurteilt (Karlsson et al 1997 [3], Netscher et al 1997 [2a], Rosenbaum u. Ochoa 2002).
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- b) die endoskopische Retinakulumspaltung
Es stehen mehrere gleichwertige Verfahren zur Auswahl:
- monoportale Technik nach AGEE (AGEE 1995)
- biportale Technik nach CHOW (CHOW 1994)
- andere monoportale Techniken
BezĂŒglich Details der einzelnen Techniken wird auf die einschlĂ€gige Literatur verwiesen (s. auch Assmus 2003). Die Spaltung des Retinakulum erfolgt jeweils unter endoskopische Sicht, wobei FĂŒhrungskanĂŒlen und verschiedene Messer (Chow-Methode) oder ein pistolenĂ€hnliches Instrument (Agee-Methode) zu Hilfe genommen werden. Blutleere ist wegen der besseren Sicht bei der monoportalen Methode obligat, aber auch bei der biportalen Technik empfehlenswert. Sie wurde von den Erstbeschreibern beider Methoden angewandt (Agee 1995, Chow 1994).
| Die endoskopischen Verfahren haben gegenĂŒber den offenen Techniken weder eindeutige Vor- noch Nachteile [Scholten 2004 [1a]: Die Operationsergebnisse sind insgesamt vergleichbar mit denen der offenen Operation (Antoniadis et al. 1997, Ferdinand u. MacLean 2002, Thoma et al 2004), auch im Vergleich zur Mini-Inzision (Hallock u. Lutz 1995, Wong et al 2003). Der höheren Patientenzufriedenheit bei unkompliziertem Verlauf (Trumble et al 2001) und dem geringeren Narbenschmerz bei endoskopischen Verfahren, stehen möglicherweise eine höhere Komplikationsrate (Brown et al 1993, Einhorn u. Leddy 1996, Shinya et al 1995, Thoma et al 2004) oder schlechtere Langzeitergebnisse bzw. eine höhere RezidivhĂ€ufigkeit gegenĂŒber als bei offener Operation (Concannon et al. 2000, Forman et al 1998, Hulsizer et al 1998, MacDermid et al. 2003). Der geringere postoperative Schmerz nach endoskopischem Eingriff scheint aber die höheren Kosten nicht zu rechtfertigen, zumal die Dauer der ArbeitsunfĂ€higkeit hierdurch nicht verkĂŒrzt wird (Atroshi et al 2006). Das AGEE-Verfahren ist wegen des aufwĂ€ndigen Einmalmessers besonders kostentrĂ€chtig (Lorgelly et al 2005, Saw et al. 2003). Mit Hilfe einer Entscheidungsanalyse (auch unter BerĂŒcksichtigung der Komplikationsrate und AU-Dauer) ist eine differenziertere Betrachtung der Wirtschaftlichkeit der endoskopischen Operations-Methoden im Einzelfall möglich (Chung et al 1998, Vasen et al 1999). Die Komplikationsrate ist stark von der Erfahrung des Operateurs abhĂ€ngig. Bei Operateuren mit weniger als 25 Eingriffen mit der CHOW-Methode betrug die KomplikationshĂ€ufigkeit bis zu 5,6%, bei mehr als 100 Eingriffen sank sie auf weniger als 1% (Chow 1994, Schmelzer et al 2006).
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| Da die "Lernkurve" (Park et al 2004) lĂ€nger ist als bei der offenen Technik, ist ein ausreichendes endoskopisches Training erforderlich (Antoniadis et al 1997 [3b]) Eine relative Kontraindikation besteht bei EinschrĂ€nkung der StreckfĂ€higkeit des Handgelenks (letzteres gilt besonders fĂŒr die Zweiportalmethode), eine absolute Kontraindikation stellen Revisionseingriffe, eine ausgeprĂ€gte rheumatische Synovialitis, Tumoren, Infektionen und ein Handödem dar (Mascharka 1996). |
- NachbehandlungWatteverband oder ein Verband mit leichter Kompression im Wundgebiet ohne EinschnĂŒrung ist nur fĂŒr wenige Tage erforderlich. Eine kurzzeitige Ruhigstellung des Handgelenks durch eine Schiene ist nicht zwingend erforderlich und liegt im Ermessen des Operateurs.
Bei Bedarf kann eine analgetische Medikation erfolgen. Postoperative KÀltepacks können schmerzlindernd wirken. Spezielle "Narbensalben" sind nicht erforderlich, allenfalls kann eine fetthaltige Salbe zur Narbenbehandlung empfohlen werden.
| Eine frĂŒhe funktionelle Behandlung mit selbstĂ€ndigen BewegungsĂŒbungen der Finger ohne oder nur mit geringer Belastung bereits am ersten postoperativen Tag beugt Handödem und Fingersteife vor. Vermeidung einer Hangelenksschiene und frĂŒhe Ăbungsbehandlung fĂŒhren zu einer frĂŒheren GebrauchsfĂ€higkeit der Hand im tĂ€glichen Leben und im Beruf (Cook et al 1995 [1b]). | Die ArbeitsunfĂ€higkeit betrĂ€gt bei regulĂ€rem Verlauf in AbhĂ€ngigkeit von dem AusmaĂ der manuellen Belastung 3 - 6 Wochen, fĂŒr leichtere Arbeiten (BĂŒro o. Ă€.) auch weniger (Acharya et al 2005, Work Loss Data Institute 2005).
- Prognose und VerlaufDie Prognose ist bei rechtzeitiger Indikation und korrekter DurchfĂŒhrung des Eingriffs gut, auch bei Patienten Ă€lter als 70 Jahre (Leit et al 2004) und bei Diabetikern (Mondelli et al 2004). Ein lĂ€ngeres Intervall (> 3 Jahre) zwischen Symptombeginn und Operation verschlechtert die Prognose (De Stefano et al 1997).
Der prĂ€operativ erhöhte Druck im Karpalkanal sinkt unmittelbar postoperativ (Sanz et al. 2005). Der nĂ€chtliche Schmerz bessert sich sofort, die SensibilitĂ€tsstörung meist innerhalb einiger Tage bis Wochen. In schweren FĂ€llen kann die Besserung bis zu sechs Monaten dauern. Protrahierte Restbeschwerden durch ReizzustĂ€nde der Ă€uĂeren und inneren Narbe verschwinden spĂ€testens innerhalb von sechs Monaten. In seltenen FĂ€llen werden anhaltende neuropathische SchmerzzustĂ€nde beobachtet besonders bei fortgeschrittenem prĂ€operativem Befund (jedoch ist hier an die Möglichkeit einer intraoperativen SchĂ€digung des Nervs zu denken). Auch die Langzeitergebnisse sind gut, insbesondere was die Schmerzsymptomatik anbelangt (Haupt et al 1993). Eine lĂ€nger als ein Jahr bestehende Muskelatrophie ist allerdings oft nicht mehr rĂŒckbildungsfĂ€hig (=Defektzustand). LangzeithĂ€modialyse und Manifestation einer Amyloidose verschlechtern die Prognose. Protrahierte Narbenschmerzen klingen in der Regel nach spĂ€testens 6 Monaten ab (Reale et al 2003). Ursache sind meist kleine Neurome von SeitenĂ€sten des Ramus palmaris N. medianus. Eine hypertrophe Narbenbildung ist bei korrekter SchnittfĂŒhrung selten. Von manuell stark belasteten Patienten kann postoperativ ĂŒber eine Kraftminderung der Hand geklagt werden. Diese wird teilweise auf die schmerzhafte Narbe, zum Teil auch auf die verĂ€nderte Statik der Hand zurĂŒckgefĂŒhrt und verschwindet spĂ€testens nach drei Monaten (Rosenbaum u Ochoa 2002). Die Beschwerden sind nach endoskopischen Eingriffen innerhalb der ersten sechs Wochen möglicherweise geringer. Rezidive nach anfĂ€nglicher Beschwerdefreiheit sind besonders bei rheumatischer Synovialitis, starker Vernarbung und Dialysepatienten möglich. Bei letzteren kommen in AbhĂ€ngigkeit von der Dialysedauer auch Mehrfachrezidive vor (Assmus u. Staub 2005, Staub et al 2005). Zu beachten ist, dass es in fortgeschrittenen FĂ€llen postoperativ oft zu keiner Normalisierung der distalen motorischen Latenz des N. medianus und sensiblen NAP (Naidu et al 2003, Prick et al. 2003, Vogt u. Scholz 2002) kommt. Dies ist nicht gleichbedeutend mit einem Rezidiv! (s. auch Kapitel 15)
- KomplikationenEine Meta-Analyse (Boeckstyns u. Sorensen 1999) ergab eine Komplikationsrate von 5,6% fĂŒr endoskopische und von 2,8% fĂŒr offene Eingriffe, wobei die erhöhte Zahl von Komplikationen bei den endoskopischen Eingriffen vor allem auf passagere NervlĂ€sionen zurĂŒckzufĂŒhren war. Eine Umfrage in den USA hatte eine Komplikationsrate von 0,8% bei offenen und von 1,6% bei endoskopischen Eingriffen gezeigt (Schenck 1995).
- NervlĂ€sionen: Komplette Nervdurchtrennungen sind bei regelrechtem Vorgehen und einem erfahrenen Operateur extrem selten (< 0,3%). Sie kommen eher bei endoskopischen Verfahren, eingeschrĂ€nktem Zugang und inadĂ€quater SchnittfĂŒhrung vor, auch als partielle oberflĂ€chliche LĂ€sionen mit neuropathischem Schmerz (Brennschmerz, DysĂ€sthesie/Hyperpathie). Das Risiko einer bleibenden NervschĂ€digung bei endoskopischen Verfahren ist identisch mit dem des offenen Vorgehens (Katz et al 1998, MacDermid et al 2003, Thoma et al 2004), schwere NervlĂ€sionen (z.B. komplette Durchtrennungen) sind jedoch möglicherweise hĂ€ufiger bei endoskopischen Eingriffen (Arner et al 1994, Boeckstyns u. Sorensen 1999, Park et al 2004, Piza-Katzer et al 1996, Shinya et al 1995). Hier sind der N. palmaris communis III bzw. N. digitalis proprius IV und der N. ulnaris besonders gefĂ€hrdet (del Pinal et al 1997, Kretschmer et al. 2004, Assmus und Staub 2006). Reversible NervschĂ€den sind bei endoskopischen Verfahren hĂ€ufiger als bei offenen (Kiymaz et al. 2002, Park et al 2004, Quaglietta u Corriero 2005, Thoma et al. 2004, Uchiyama et al. 2004). S. auch Kap. 11.2 "Komplikationsrate".
- Wundinfektionen: In etwa 1% der FÀlle sind oberflÀchliche Stichkanalinfekte, in < 0,5% tiefe Infektionen (Hanssen et al 1989) zu beobachten. Letztere erfordern eine antibiotische Behandlung und operative Revision.
- Sehnenverletzungen sind extrem selten (< 0,1%, Boeckstyns u. Sorensen 1999) und wurden bei der biportalen endoskopischen Methode vereinzelt beobachtet (Schenck 1995), ebenso selten sind GefĂ€Ăverletzungen. Letztere kommen eher bei endoskopischen Eingriffen vor (Palmer und Toivonen 1999).
- Ein Komplexes Regionales Schmerzsyndrom (CRPS I) ist bei lege artis durchgefĂŒhrter Retinakulumspaltung extrem selten. Bei mehr als 7000 endoskopischen Eingriffen wurde diese Komplikation 10mal beobachtet (Rosenbaum u. Ochoa 2002). Ein Handödem und eine Einsteifung der kleinen Fingergelenke durch einschnĂŒrenden Verband und Mindergebrauch der Hand können Ă€hnliche Beschwerdebilder verursachen, die nicht mit einem CRPS verwechselt werden dĂŒrfen.
- Eine inkomplette Retinakulumspaltung ist die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr ein persistierendes KTS (und einen Revisionseingriff) (Assmus 1996, Richter u. Antoniadis 1990, Baranowski et al 1993, Botte et al 1996, BĂŒchler et al 1983, Kern et al 1993). Besonders bei atypischer SchnittfĂŒhrung, Inzisionen mit unzureichender Ăbersicht (O'Malley et al 1992, Assmus u. Staub 2006) und nach endoskopischen Eingriffen (Forman et al 1998, Hulsizer et al 1998) werden mehr inkomplette Retinakulumspaltungen beobachtet.
- Revisionseingriffe
| Bei nicht zufriedenstellender postoperativer Besserung, bei nach beschwerdefreiem Intervall wieder auftretenden Beschwerden oder einer postoperativen Verschlechterung der ParĂ€sthesien oder der HypĂ€sthesie ist eine erweiterte neurologische AbklĂ€rung und eine Kontrolle des klinischen und elektrophysiologischen Befundes erforderlich (Assmus 1996 [3], Assmus u. Staub 2006 [3], Schrijver et al 2005 [1b], Steyers 2002 [3a], Tung u. Mackinnon 2001 [4]. Vor jeder Indikationsstellung zur operativen Revision ist die Diagnose besonders kritisch zu ĂŒberprĂŒfen. Eine radikulĂ€re Ursache ist auszuschlieĂen.
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| Ein postoperativ erhobener pathologischer neurographischer Befund ist keine hinreichende Indikation, da hĂ€ufig keine Normalisierung der Werte eintritt (Naidu et al 2003 [2b], Schrijver et al 2005 [1b](s. auch Kapitel 13). FĂŒr die Indikation zur Revision ist deswegen der Vergleich mit dem prĂ€operativen Befund unerlĂ€sslich. Narbenschmerzen infolge kleiner Neurome von SeitenĂ€sten des Ramus palmaris sind keine Indikation fĂŒr eine operative Revision. Allenfalls ein schmerzhaftes Neurom nach Durchtrennung des Ramus palmaris in Höhe der Rascetta kann eine Resektion erforderlich machen (del Pinal et al 1997).
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| Bei einer akzidentellen Durchtrennung des N. medianus oder seiner Ăste oder des N. ulnaris ist möglichst eine primĂ€re gegebenenfalls auch eine sekundĂ€re Rekonstruktion erforderlich.
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| Bei irreparabler SchĂ€digung des motorischen Astes kann ein Sehnentransfer zur Verbesserung der Daumenabduktion erwogen werden (Richer et al 2005 [4]). HĂ€ufigste Ursache fĂŒr einen Zweiteingriff ist die inkomplette Retinakulumspaltung (siehe Komplikationen). Die operative Revision (Korrektureingriff) bessert hier in der Regel die Beschwerden bzw. fĂŒhrt zu Beschwerdefreiheit.
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| Bei starken Vernarbungen werden zur Verbesserung der GleitfĂ€higkeit und der Bedeckung des Nervs zahlreiche Verfahren wie Ummantelung mit Synovial- Muskel- und Hypothenar-Fett-Lappen oder Venenmaterial beschrieben (Dahlin et al 2002 [4], Frank et al 1999 [4], Plancher et al 1996 [3], Steyers 2002, Sarris u. Sotereanos 2004 [4], Strickland et al 1996 [3], Tham et al 1996 [4], Varitimidis et al 2000 [3], Wulle 1996 [4]). Es handelt sich meist um Fallserien, gröĂere Studien mit Nachweis einer Effizienz stehen noch aus (Rosenbaum u. Ochoa 2002, Steyers 2002 [3a]).
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| Ăber Eingriffe am Nerv bei Revisionseingriffen wie die interfaszikulĂ€re Neurolyse gibt es ebenfalls keine hinreichend validierten Studien (Chapell et al 2003 [1a]). Ein Zweiter Revisionseingriff sollte nur nach kritischer ĂberprĂŒfung der Indikation (und besonders der Differenzialdiagnosen!) durch einen erfahrenen Diagnostiker und durch einen besonders erfahrenen Operateur in einer Schwerpunktpraxis oder einem Zentrum erfolgen. |
- Klinischer Algorithmus
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Konsensfindung und Entstehung der Leitlinie: siehe Leitlinienreport AuĂer dieser Langfassung sind eine Kurzfassung und eine Patienteninformation verfĂŒgbar.
Autoren: Assmus H, Antoniadis G, Bischoff C, Haussmann P, Martini AK, Mascharka Z, Scheglmann K, Schwerdtfeger K, Selbmann H, Towfigh H, Vogt T, Wessels KD, WĂŒstner-Hofmann M
Verantwortlichkeiten: Methodische Beratung: Prof. Dr. H. Selbmann/TĂŒbingen Koordination: Prof. Dr. M. WĂŒstner-Hofmann/Ulm, Dr. H. Assmus/Dossenheim-Heidelberg
Leitliniensekretariate/Korrespondenzadressen: Frau A. Kuhn (angela.kuhn@klinik-rosengasse.de), Klinik Rosengasse, Rosengasse 19, 89073 Ulm Frau I. Michels (info@neurochirurgie-dossenheim.de), Neurochirurgische Gemeinschaftspraxis, Ringstr. 3, 69221 Dossenheim
Neufassung:11/2006 (ersetzt alle alten Leitlinien der herausgebenden Fachgesellschaften zum gleichen Thema)
NĂ€chste ĂberprĂŒfung geplant:2009
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